Monatsarchiv: April 2013

DERBE LEBOWSKI – remove your mask (kassette)

es ist einfach wunderbar: die süßen blagen von DERBE LEBOWSKI (für konzerte an derbelebowski[at]gmx.de wenden) spendieren uns einen tonträger. doch wo soll man da anfangen?

vielleicht bei etwas anderem als der darauf enthaltenden musik. mit einem kleinen abriss der bandgeschichte zum beispiel.
aus übermut irgendwann 2011 gegründet, fand man recht schnell einen namen (damals noch DERBE MARCUSE), aber noch lange nicht zu einem ansatzweise anhörbaren zusammenspiel. es rumpelte, jaulte und nervte, aber powerviolence in gut war das nicht. zu der zeit gab es dann auch einen augenzwinkernd verpackten aber ernsthaft geführten wettstreit zwischen gitarrist marvin und mir, wer denn in der steileren powerviolenceband hängt. wenn kleine jungs spielen. mittlerweile darf ich neidlos verkünden, dass sie das rennen gewonnen haben, während wir uns noch vor dem ersten höhenflug konsequenterweise auflösten. genau, durch kontinuierliches feilen an den eigenen skills und essentieller rückbesinnung auf die regeln der einbahnstraßenmusik powerviolence entwickelten sich DERBE LEBOWSKI zu einer der wenigen hörenswerten bands dieser sparte.

dhl
[die deutschen posterbois des aktuellen powerviolencekults]

hier nun das langerwartete debut: ein 18-lieder-fassender quell  ideenreicher rocksongs. danke dafür. der an den großen sido angelehnte titel leitet erstmal fehl, denn, wie schon andauernd erwähnt, ist das hier powerviolence. so richtig klassisch noch. keine ewig langgezogenen moshparts, jeder anflug in richtung bumsbudenhardcore wird sofort wieder durch schnelles geratter zerstört. wenn die gitarre plump aber effektiv hin-und-her-schrubbt, der basslauf als solcher nicht mehr erkennbar ist weil er lieber rundum-zerstört, das schlagzeug ein bullenknüppel-auf-sitzblockadenkopf-orchester übertönt und der singsang sekundenweise von gemütlich bäuerlich auf todesschrei eines kleinkindes wechselt, ja dann läuft halt irgendwas von slap-a-ham oder eben DERBE LEBOWSKI.

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[das deckblatt]

auch textlich findet man zum glück null innovation vor. in punkbekannter lyrikform wird über irgendetwas rumphilosophiert, zur abgrenzung von diesem oder jenem aufgerufen, die dummheit der masse thematisiert und noch so vieles mehr schlüssig ausgeführt. die band nimmt kein blatt vor den mund. es werden heiße eisen angepackt. aber mal ehrlich und ernsthaft: lieber so und somit ausgelutscht, als permanent belangloses von sich zu geben. es ist zurzeit so unglaublich uncool, aber ich sehe/höre lieber eine band, die noch ein bißchen was zu sagen hat, als thrashcore mit „witzigen“, zum kotzen ironischen songtexten. ein p.c.-turn täte „der szene“ eigentlich mal ganz gut.

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[alles andere]

minuspunkte gibt es für den schlechten bandnamen und der fülle an samples. was live angenehm auflockert, nervt beim durchhören brutalst und ist in dieser musiksparte zu einer ganz spießigen und faden angelegenheit verkommen. ein stilmittel, welches von bands, deren lieder so langweilig komponiert wurden, dass man sie nur noch mittels samples etwas aufwerten konnte, zu sehr strapaziert wurde. ich kann und will sowas einfach nicht mehr hören.

für den optischen glanz sorgte ein alter bekannter und die labellanze wurde gerecht in zwei handliche prügel zerbrochen und sowohl SKULL WITCH als auch MUSTARD MUSTACHE in die klauen gedrückt. dort kann man denn das tape kaufen. oder eben direkt die band anschreiben. review ende.

[zusatzinformation: vor kurzem hier live gesehen. spätestens, als der schlagzeuger die anderen zu einem etwas langsameren, koordinierteren zusammenspiel ermahnte, wussten wir (meine peergroup und ich), dass hier grad etwas richtiges und gutes passierte. live noch besser als auf tape.]

pappbox mit sandler zines aufgetaucht:

alle drei ausgaben (eins, zwei, drei). stückpreis 1€. will jemand?

bandsalat*//dermixtapetauschring

das leben zwischen zwei stühlen, ich habe es geschmeckt: eingedrückt zwischen p2p-programme und magnetbänder, erschlagen vom überangebot und gelangweilt von der überschaubarkeit der zur verfügung stehenden musikalischen ressourcen. aber man wird doch wenigstens noch romantisieren dürfen.

man fand sich zu einer zeit zusammen, in der man an für spezialjugendliche kompatible alben und songs nur über abenteuerliche wege kam ( da gibts einen, der kannte jemanden, der nen invaliden cousin hat, der im krieg war……so kam ich z.b. an dieses zeitlose meisterwerk), und gleichzeitig in der plattenbaubude des bruders per modem auf kazaa 56kbit-deutschpunk geladen hat. man sog jeden dreck auf und runter und bannte das dann auf audiokassetten. mixtape ist der begriff hierfür. es entstanden ziemlich gehandicapte, wahnwitzige zusammenstellungen, um später per kassettenrekorder alles was beim saufen im park an zusätzlichen geräuschen nervt übertönen zu können. sum 41 und fear of god. minor threat und s.i.k.. schleim-keim kreuzen disrupt und fool’s garden plärren auf einer seite mit hybris, amen 81 und jbo über ihren scheiss zitronenbaum. echt absturz also, aber in der retrospektive gesehen blahblah nee ich nerv jetzt nicht mit irgendnem früherwarallesbessergelaber. dann lieber nochmal uropas kriegstagebücher lesen. der lümmel hat coolerweise den westwall mitkonstruiert und da gabs vermutlich nichtmal grammophone.

rational gesehen ist die mp3 der kassette natürlich haushoch überlegen. aber es is ja auch mal schön, ein in stundenlanger mühevoller (und zumeist nerviger) kleinstarbeit entstandenes produkt in den händen zu halten. ne datei im ordner ist leichter zu bedienen, sieht aber auch brutal beschissen aus.

worauf ich eigentlich hinaus will:
es gibt seit einiger zeit dieses mixtapelabel namens bandsalat*. und da wird sich redlich mühe beim individuellen erstellen gegeben, extra angefertigte holzboxen sind keine seltenheit. hier brennt jemand für eine sache und ist noch nicht völlig abgestumpft, das ist schön zu sehen.

also ihr scheißpenner: schreibt bandsalat* doch mal an und macht einen tauschhandel klar. oder noch besser, seid das erste glied der kette. das ist längerfristig gesehen erfüllender, als auf ein neues die statusmeldung zu aktualisieren oder mit dem smartphone vorm spiegel den aufstand zu proben oder in endlosschleife fotos der ex-freundin anzustarren und in tränen auszubrechen.

mixtapes sind kein threat aber immernoch eine schöne geste. real talk!

nairobi five degree #03

nairobi five degree #03
a5 // 42 seiten // deutschsprachig // 2012

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seit einiger zeit ist dann auch endlich der nächste wurmfortsatz des NAIROBI FIVE DEGREE genies karlo karriere (glas-wasser-theorie) unter dach und fach. warte, wie nennt man das nochmal? per-zine oder irgendwie so, genau. gäben wir jemals einen fick auf diese bezeichnung, die dritte ausgabe würde dieser gerecht werden.

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es werden bukowskieske arbeitserfahrungen (respekt @ c., ich habs da nur für zwei nächte ausgehalten) gesammelt, wohnzimmerinterviews mit SIGFRIED & ROID RAGE und DEAD HAND geführt, danach fotografiert man sich noch ein wenig durch das derzeit völlig zu unrecht gehypte leipzig (bitte sucht euch einen anderen ort zum studieren aus, bitte), und gegen ende wird das ganze ins bekannt-beliebte nfdlayout verpackt.

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leider finden sich in der obligatorischen playlist MERCHANDISE wieder. c. du kannst mich mal kreuzweise, ey die sind doch nuuuur scheisse.

aber trotzdem über coming-up-for-air[at]web.de oder dem unvergleichlichen fill my head-netzladen zu beziehen.